Mit ‘italienisch’ getaggte Artikel

Was war Ihnen das Essen denn wert?

Donnerstag, 25. Februar 2010, 18:19 von Jens

Wurden wir gestern Abend gefragt, als wir das Pay what you want Angebot im Detmolder DaCapo (in den Räumen des SonVidas, ehemals CocoNuts) ausprobiert haben.

Man sollte zwar vorher reservieren, aber ausser uns beiden waren nur noch ein Handvoll anderer Gäste da, von denen einige wohl auch gar nicht wussten, dass es Mittwochs diese Aktion dort gibt.

Das Ambiente ist ganz gemütlich, ohne viele Schnörkel und allzuviel aufdringliche Dekoration. Die Tische stehen zwar nicht sehr eng, aber auch nicht allzu weit anein- bzw. auseinander. Der Service war auf hohem Niveau, freundlich und nicht zu aufdringlich.

Nachdem wir zuerst jeweils ein Wasser bestellt und bekommen hatten (was ich nicht verstehe ist, weshalb das Fläschchen Mineralwasser günstiger ist, als ein Fläschchen der selben Marke als stilles Wasser) – ach ja, Getränke sind von dem pay what you want übrigens ausgenommen – kam als Gruß aus der Küche erstmal ein frisch gebackenes, kleines Brot mit einem leckeren Dip. Danach gab es gleich schon den nächsten Küchen-Gruß, dieses Mal ein leckerer Happen bestehend aus geräucherter Entenbrust mit Waldorfsalat und Orangenfilets.

Als Vorspeise gab es für meine Begleiterin einen winterlichen Blattsalat mit gebratenem Wildhasenfilet, Preisselbeerjus und Walnußkernen und für mich ein Waldpilzschaumsüppchen mit Croutons. Geschmacklich war alles in Ordnung, wir waren beide sehr zufrieden.

Auf der Speisekarte stehen übrigens keine Preise drauf, nur bei den Getränken wird darauf nicht verzichtet.

Als Hauptgericht hatten wir uns beide das gleiche ausgesucht: Heimisches Wildragout mit Preisselbeerbirne, Apfelrotkohl und Kartoffelklößen. Bis auf die Soße, die ein wenig mehr Geschmack hätte vertragen können, war auch das Ragout sehr lecker.

Zum Abschluß gab es noch einen Latte Macchiato.

Dann wurde die Rechnung bestellt. Hier wurden wir zunächst gefragt, was uns die Speisen denn wert gewesen sind. Unter der Annahme, jeweils 5,- Euro für die Vorspeisen und 10,- Euro für die Hauptspeisen war ich also bereit, 30,- Euro zu zahlen. Die Rechnung belief sich dann inkl. der Getränke auf 37,30 Euro, mit Trinkgeld waren also 40,- Euro fällig.

Im Nachgang habe ich dann mal auf der online verfügbaren Speisekarte nachgeschaut:

Winterliche Blattsalate mit gebratenem Wildhasenfilet: 12,50 EUR
Waldpilzschaumsüppchen: 5,20 EUR
Heimisches Wildragout: jeweils 11,50 EUR

In Summe also 40,70 EUR. Bei dem Salat hatten wir uns wohl etwas verschätzt, ansonsten hat unsere Preisvorstellung ganz gut zu den normalen Preisen gepasst. Unterm Strich haben wir also knapp 10,- EUR gespart, hatten einen netten Abend und hoffen, dass das DaCapo wegen uns nun keine Insolvenz anmelden muss.

Abschließend sei noch gesagt, dass es mir in der konkreten Situation beim Bezahlen doch zu peinlich gewesen wäre, wenn ich gesagt hätte, für das Essen zahle ich nur 1,- Euro – was sicherlich auch akzeptiert werden würde. Aber der gesellschaftliche Druck, nicht als Schmarotzer darzustehen, ist doch nicht zu verkennen. Für Psychologen sicherlich eine interessante Studienmöglichkeit.

Auch ohne die pay what you want Aktion ist das Restaurant einen Besuch wert.

Zahl doch, was Du willst

Samstag, 09. Januar 2010, 23:31 von Jens

Zugegeben, die Lippe Aktuell lese ich weder regelmäßig noch sehr intensiv. Zufälligerweise bin ich aber heute über eine Anzeige des italienischen Restaurants DaCapo gestolpert. Falls jemand damit nichts anfangen kann, es handelt sich dabei um ein Restaurant im SonVida. Und falls damit auch einer nichts anfangen kann, das ist das ehemalige CocoNuts, was wiederrum das ehemalige eXtra ist.

Wie dem auch sei … in besagtem Werbe-Blatt fand ich eine Anzeige, auf die ich die paar Leser dieser Zeilen doch hinweisen will.

Von Januar bis März 2010 gibt es jeden Mittwoch von 18-23 Uhr im DaCapo ein ganz besonderes Preismodell für die angebotenen Gerichte, nämlich pay what you wantzahle, was du willst. Eigentlich müsste es besser heißen zahle was es dir wert ist, denn obwohl es durchaus möglich ist, auch einen Betrag von Null Euro zu zahlen, wird das wohl eher die Ausnahme bleiben – wer will sich im Restaurant schon die Blöße geben, gar nichts bezahlen zu wollen? Die Anzeige wird begleitet von einem beschreibenden Text, in dem es u.a. heißt

Der Verkäufer bietet Produkte ohne Preis an und der Käufer wird gebeten einen für ihn angemessenen Preis zu zahlen. Der Käufer hat dabei auch die Möglichkeit nichts für das Produkt zu bezahlen, d.h. den Preis auf Null zu setzen. Die Transaktion erfolgt genau zu diesem Preis ohne dass der Anbieter von seinem Produktangebot zurücktreten kann.

Weiter heißt es

Die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Universität Frankfurt deuten darauf hin, dass die Konsumenten den Preismechanismus nicht ausnutzen und sich nicht opportunistisch verhalten. [...] Bei der Preisfindung stellen sich die Konsumenten die Frage, wie viel sie üblicherweise für eine vergleichbare oder dieselbe Dienstleistung zahlen.

Von der etwas eigenwilligen Interpunktion des Werbetextes (der übrigens teilweise von Wikipedia abgeschrieben ist – wo aber die Zeichensetzung korrekt ist) mal abgesehen finde ich dieses Experiment sehr interessant. Mal sehen, ob man irgendwann auch mal erfährt, wie die Resonanz so gewesen ist.