Weitergehende Auswirkungen ergaben sich dadurch nicht

Na, dann ist ja alles in Ordnung.

Im verkürzten Halbjahresbericht zum 30.06.2011 der FMS Wertmanagement (also der Bad Bank der HRE – Hypo Real Estate (die mittlerweile Deutsche Pfandbriefbank heißt)) heißt es auf Seite 34

Im verkürzten Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2011 werden insbesondere im Zusammenhang mit Finanzderivaten gestellte oder erhaltene Barsicherheiten bei Vorliegen einer Nettingvereinbarung je Kontrahent saldiert unter den Forderungen an Kreditinstitute (per Saldo gestellte Barsicherheiten) bzw. unter den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (per Saldo erhaltene Barsicherheiten) ausgewiesen. Die entsprechenden fehlerhaften und unsaldierten Vergleichszahlen zum 31. Dezember 2010 wurden in laufender Rechnung angepasst. Hierdurch reduzierten sich die Vergleichszahlen der Posten Forderungen an Kreditinstitute und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sowie die Bilanzsumme um jeweils EUR 24.466 Mio. Weitergehende Auswirkungen auf die Vermögenslage sowie Auswirkungen auf die Finanz- und Ertragslage ergaben sich dadurch nicht.

Da wurde also die Bilanzsumme mal eben um 24,466 Mrd. Euro gekürtz, aber weitergehende Auswirkungen auf die Vermögenslage ergaben sich dadurch zum Glück nicht.

Wenn mir übrigens jemand den obigen Absatz auf Deutsch übersetzen kann, ohne Worte wie Nettingvereinbarung je Kontrahent oder Finanzderivate zu benutzen, der sei in den Kommentaren herzlich dazu eingeladen, mich zu erleuchten.

Im Jahresabschluß zum 31.12.2010 sahen die Zahlen also noch ganz anders aus. Hier (Seite 42) wurden noch 67.753 Millionen Euro als Forderungen an Kreditinstitute ausgewiesen. Im Juni stand hier aufeinmal ein Wert von 43.287 Millionen Euro. Ausgeschrieben machen die Zahlen noch mehr Eindruck: 67.753.000.000 Euro im Vergleich zu 43.287.000.000 Euro.

So wirklich wichtig war das scheinbar nicht wirklich. Sind halt nur Zahlen. Auch PricewaterhouseCoopers hat nach eigenem Bekunden alles richtig gemacht (Link zur Pressemitteilung).

Im Zusammenhang mit dem verkürzten Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2011 wurden jedoch Geschäftsvorfälle identifiziert, bei denen die Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Derivategeschäften gegenüber demselben Vertragspartner unterblieb. Die mit diesen Geschäftsvorfällen im Zusammenhang stehenden Buchungen wurden vor Veröffentlichung des verkürzten Zwischenabschlusses von der FMS Wertmanagement korrigiert. Hierdurch reduzierten sich die Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sowie die Bilanzsumme der FMS Wertmanagement um jeweils € 55,5 Mrd.

Ok, man hat also einen Fehler gefunden und ihn rückwirkend in Übereinstimmung mit allen rechtlichen Erfordernissen korrigiert. Dann noch fix die Zahlen im Bericht geändert und alles wird gut.

Ich muss jetzt zugeben, warum es dann heißt, wir hätten 55 Mrd. Euro weniger Schulden, verstehe ich nicht ganz. Wenn man auf der einen Seite 24,5 Mrd. Forderungen gegenüber Kreditinstituren weniger hat, auf der anderen Seite aber 24,5 Mrd. Euro weniger Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten – dann verändert sich zwar die Bilanzsumme, aber unterm Strich hat sich doch nichts verändert.

Oder bin ich dafür nicht Bilanzbuchhalter genug?

Disclaimer: Ich bin kein Bilanzbuchhalter.

Wolfgang, eine Erklärung bitte!

Tagesschau.de schreibt u.a.

Die Verbindlichkeiten der FMS fließen direkt in die deutschen Staatsschulden ein – sprich: Die Steuerzahler haften.

Die Verbindlichkeiten fließen ein – und die Forderungen nicht? Ich bin verwirrt.

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