{"id":1309,"date":"2009-10-06T00:16:46","date_gmt":"2009-10-05T22:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/kochsiek.org\/blog\/?p=1309"},"modified":"2009-10-05T22:00:35","modified_gmt":"2009-10-05T20:00:35","slug":"thilo-sarrazin-im-zusammenhang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kochsiek.org\/blog\/2009\/10\/06\/thilo-sarrazin-im-zusammenhang\/","title":{"rendered":"Thilo Sarrazin im Zusammenhang"},"content":{"rendered":"<p>Thilo Sarrazin ist momentan im Gespr\u00e4ch. In allen m\u00f6glichen Zeitschriften (so auch in der Lippischen Landeszeitung von Montag) und Blogs werden Zitate von ihm genannt, die gern auch in die N\u00e4he der Volksverhetzung gestellt werden. R\u00fccktrittsforderungen und Schelte von Kollegen und anderen Bundesbankvorst\u00e4nden kommen fast im Minutentakt an die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Ich will gar nicht bestreiten, dass seine \u00c4usserungen unpassend und den angesprochenen Gruppen gegen\u00fcber verletztend waren &#8211; jedenfalls in der Zitat-Form, in der man sie dutzendfach in den letzten Tagen serviert bekommt.<\/p>\n<p>Deshalb an dieser Stelle ein Auszug aus dem kompletten Interview, um die Zitate auch mal im Zusammenhang lesen zu k\u00f6nnen. Die Interpretation \u00fcberlasse ich den Lesern selbst.<br \/>\nDie bekannten Zitat-Brocken aus den Zeitungen habe ich mal fett markiert.<\/p>\n<blockquote><p>Man muss aufh\u00f6ren, von \u201aden\u2019 Migranten zu reden. Wir m\u00fcssen uns einmal die unterschiedlichen Migrantengruppen anschauen. Die Vietnamesen: Die Eltern k\u00f6nnen kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk. Die Vietnamesen der zweiten Generation haben dann durchweg bessere Schulnoten und h\u00f6here Abiturientenquoten als die Deutschen. Die Osteurop\u00e4er, Ukrainer, Wei\u00dfrussen, Polen, Russen weisen tendenziell dasselbe Ergebnis auf. Sie sind integrationswillig, passen sich schnell an und haben \u00fcberdurchschnittliche akademische Erfolge. Die Deutschrussen haben gro\u00dfe Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation, danach l\u00e4uft es wie am Schn\u00fcrchen, weil sie noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben. Sobald die Sprachhindernisse weg sind, haben sie h\u00f6here Abiturienten- und Studentenanteile usw. als andere. Bei den Ostasiaten, Chinesen und Indern ist es dasselbe. Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher \u201at\u00fcrkische\u2019 Probleme; absolut abfallend sind die t\u00fcrkische Gruppe und die Araber. Auch in der dritten Generation haben sehr viele keine vern\u00fcnftigen Deutschkenntnisse, viele gar keinen Schulabschluss, und nur ein kleiner Teil schafft es bis zum Abitur. [\u2026] Je niedriger die Schicht, um so h\u00f6her die Geburtenrate. Die Araber und T\u00fcrken haben einen zwei- bis dreimal h\u00f6heren Anteil an Geburten, als es ihrem Bev\u00f6lkerungsanteil entspricht. Gro\u00dfe Teile sind weder integrationswillig noch integrationsf\u00e4hig. <strong>Die L\u00f6sung dieses Problems kann nur hei\u00dfen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun.<\/strong> St\u00e4ndig werden Br\u00e4ute nachgeliefert: Das t\u00fcrkische M\u00e4dchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der t\u00fcrkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch schlimmer. Meine Vorstellung w\u00e4re: generell kein Zuzug mehr au\u00dfer f\u00fcr Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr f\u00fcr Einwanderer. In den USA m\u00fcssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert. Man hat Studien zu arabischen Ausl\u00e4ndergruppen aus demselben Clan gemacht; ein Teil geht nach Schweden mit unserem Sozialsystem, ein anderer Teil geht nach Chicago. Dieselbe Sippe ist nach zwanzig Jahren in Schweden immer noch frustriert und arbeitslos, in Chicago hingegen integriert. Der Druck des Arbeitsmarktes, der Zwang des Broterwerbs sorgen daf\u00fcr. Das sind Dinge, die man nur durch Bundesrecht \u00e4ndern kann. F\u00fcr Berlin ist meine Prognose d\u00fcster, was diese Themen betrifft. Aber es kann in einer Stadt, in der man pr\u00e4chtig leben kann, gleichzeitig kompakte und wachsende, ungel\u00f6ste Probleme geben. Genauso wird es in Berlin werden. [\u2026] Die Integration hat Stufen. Die erste Vorstufe ist, dass man Deutsch lernt, die zweite, dass man vern\u00fcnftig durch die Grundschule kommt, die dritte, dass man aufs Gymnasium geht, dort Examen macht und studiert. Wenn man durch ist, dann braucht man gleiche Chancen im \u00f6ffentlichen Dienst. So ist die Reihenfolge. Es ist ein Skandal, dass die M\u00fctter der zweiten, dritten Generation immer noch kein Deutsch k\u00f6nnen, es allenfalls die Kinder k\u00f6nnen, und die lernen es nicht wirklich. Es ist ein Skandal, wenn t\u00fcrkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer h\u00f6ren, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert. Jemanden, der nichts tut, muss ich auch nicht anerkennen. <strong>Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, f\u00fcr die Ausbildung seiner Kinder nicht vern\u00fcnftig sorgt und st\u00e4ndig neue kleine Kopftuchm\u00e4dchen produziert.<\/strong> Das gilt f\u00fcr siebzig Prozent der t\u00fcrkischen und f\u00fcr neunzig Prozent der arabischen Bev\u00f6lkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalit\u00e4t, die als gesamtstaatliche Mentalit\u00e4t aggressiv und atavistisch ist. [\u2026] Die T\u00fcrken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine h\u00f6here Geburtenrate. Das w\u00fcrde mir gefallen, wenn es osteurop\u00e4ische Juden w\u00e4ren mit einem um 15 Prozent h\u00f6heren IQ als dem der deutschen Bev\u00f6lkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bev\u00f6lkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren, und auch, weil es extrem viel Geld kostet und wir in den n\u00e4chsten Jahrzehnten gen\u00fcgend andere gro\u00dfe Herausforderungen zu bew\u00e4ltigen haben. [\u2026] Man st\u00f6\u00dft gegen viele Mauern der politischen Korrektheit, aber man merkt, dass der Ton an Deutlichkeit zunimmt, wir haben noch nicht verstanden, dass wir ein kleines Volk sind. Wir verstehen uns immer noch als ein gro\u00dfes Volk. 1939, als der Zweite Weltkrieg begann, hatte Deutschland 79 Millionen Einwohner, die USA 135, Russland 160 und England 50. Die Proportionen haben sich v\u00f6llig verschoben. Wenn von unseren 80 Millionen praktisch drei\u00dfig Prozent im Rentenalter sind, sind wir bereits eine relativ kleine Bev\u00f6lkerung. Wir sind n\u00e4her an den Holl\u00e4ndern und D\u00e4nen als an den USA. Dass diese kleinen V\u00f6lker ihre Ausl\u00e4nder heute mit viel radikaleren Programmen als wir forciert integrieren, hat einen guten Grund. Heute muss man Sprachtests in den Botschaften machen, davor darf man gar nicht einreisen. Sie haben sp\u00e4t angefangen, aber sie haben wenigstens angefangen. Wenn die T\u00fcrken sich so integrieren w\u00fcrden, dass sie im Schulsystem einen anderen Gruppen vergleichbaren Erfolg h\u00e4tten, w\u00fcrde sich das Thema auswachsen. Der vietnamesische Kioskbesitzer wird immer gebrochen Deutsch sprechen, weil er erst mit drei\u00dfig eingewandert ist und ungebildet war. Wenn seine Kinder Abitur machen oder Handwerker werden, hat sich die Sache erledigt. T\u00fcrkische Anw\u00e4lte, t\u00fcrkische Arzte, t\u00fcrkische Ingenieure werden auch Deutsch sprechen, und dann wird sich der Rest relativieren. So aber geschieht nichts. Die Berliner meinen immer, sie h\u00e4tten besonders gro\u00dfe Ausl\u00e4nderanteile; das ist falsch. Die Ausl\u00e4nderanteile von M\u00fcnchen, Stuttgart, K\u00f6ln oder Hamburg sind viel h\u00f6her. Aber die Ausl\u00e4nder dort haben einen geringeren Anteil an T\u00fcrken und Arabern und mischen sich \u00fcber breite Ausl\u00e4ndergruppen. Zudem sind die Migranten in den Produktionsprozess integriert. W\u00e4hrend es bei uns eine breite Unterschicht gibt, die nicht in Arbeitsprozesse integriert ist. Doch das Berliner Unterschichtproblem reicht weit dar\u00fcber hinaus. Darum bin ich pessimistisch. <strong>Wir haben in Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten<\/strong>, und die f\u00fcllen die Schulen und die Klassen, darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir m\u00fcssen in der Familienpolitik v\u00f6llig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht. Ich erinnere an ein Dossier der \u201aZeit\u2019 dazu. Es berichtet von den zwanzig Tonnen Hammelresten der t\u00fcrkischen Grillfeste, die die Stadtreinigung jeden Montagmorgen aus dem Tiergarten beseitigt \u2014 das ist keine Satire. Der Neuk\u00f6llner B\u00fcrgermeister Buschkowsky erz\u00e4hlt von einer Araberfrau, die ihr sechstes Kind bekommt, weil sie durch Hartz IV damit Anspruch auf eine gr\u00f6\u00dfere Wohnung hat. Von diesen Strukturen m\u00fcssen wir uns verabschieden. Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, f\u00fchrt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungstr\u00e4ger aus demographischen Gr\u00fcnden kontinuierlich f\u00e4llt. So kann man keine nachhaltige Gesellschaft bauen, das geht f\u00fcr ein, zwei, drei Generationen gut, dann nicht mehr. Das klingt sehr stammtischnah, aber man kann das empirisch sehr sorgf\u00e4ltig nachzeichnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: Thilo Sarrazin im <a title=\"Interview mit Thilo Sarrazin\" href=\"http:\/\/www.lettre.de\/\" target=\"_blank\">Lettre International<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thilo Sarrazin ist momentan im Gespr\u00e4ch. In allen m\u00f6glichen Zeitschriften (so auch in der Lippischen Landeszeitung von Montag) und Blogs werden Zitate von ihm genannt, die gern auch in die N\u00e4he der Volksverhetzung gestellt werden. 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